Mein Manifest für Herdenschutzhundmixe mit Schafsphobie

Die Übersetzerin hat vor kurzem ihre Leitsätze veröffentlicht. Das fand ich gut und habe ihr gebellt, dass ich auch welche will.

Aber sie hat nur fünf. Pah! Weff.

Ich habe ihr jetzt ein ganzes Manifest mit 50 Punkten diktiert. Aber lesen Sie selbst:

  1. Grundsätzlich gilt, dass alles in Sichtweite auch dem Hund gehört. Vor allem das Haus oder die Wohnung. Und die Leute, die darin wohnen.
  2. Dieses Eigentum gilt es entschieden gegen fremden Zugriff zu verteidigen.
  3. Es ist immer ausreichend Abstand zu Schafen zu halten. Falls sie Feuer spucken, sollte hund weit genug weg sein.
  4. Um Kühe ist ebenfalls ein großer Bogen zu machen.
  5. Großen Hunden sicherheitshalber ausweichen! Ausnahme: Der Hund sendet deutliche Unsicherheitssignale aus. Dann nix wie drauf!
  6. Ist der andere Hund hingegen ein eher übergriffiges und selbstsicheres Modell, hilft nur Wegrennen. Schnell.
  7. Es muss alles verteidigt werden, was sich auf der zu bewachenden Seite des Zauns befin det.
  8. Briefträger sind grundsätzlich zu verbellen.
  9. Paketboten auch.
  10. Bei Kindern, die am Grundstück vorbeigehen, ist eine besonders laute Meldung notwendig. Die werden irgendwann größer, und dann brechen sie ein.
  11. Alle Hunde bis auf Zeppelin und Joker, die am Grundstück vorbeigehen, sind zu verbellen.
  12. Rollkoffer sind abzulehnen und deshalb ebenfalls zu verbellen.
  13. Zusammenfassung der Punkte 6. – 9.: Es ist alles zu verbellen, was sich in Sichtweite befindet.
  14. Kommt die Gasableserin trotz Warnschild aufs Grundstück, ist sie zu verjagen. Klappt das nicht, könnte hysterisches Bellen und kurzes Zwicken in einen Körperteil helfen.
  15. Wenn vorbeikommende Hunde die Unverschämtheit hatten, eine freche Nachricht zu hinterlassen, muss beim nächsten Spaziergang sofort drübergepinkelt werden. Dabei ist der Zeitpunkt des Spaziergangs nach Möglichkeit vorzuziehen.
  16. Wenn die genannten Maßnahmen aus einer Deckung heraus erfolgen, erschrecken vorbeikommende Menschen oder Tiere noch viel mehr.
  17. Wenn das Gartentörchen aufgeht, ist zunächst ein sicherer Platz aufzusuchen. Wer immer da kommt, könnte mehr Zähne haben oder stärker sein.
  18. Es sollte nur sympathischer und ruhiger Besuch erlaubt sein.
  19. Besuch kann allerdings gezwungenermaßen aufs Grundstück gelassen werden – aber ohne Leibesvisitation nicht mehr herunter.
  20. Wenn der Chefmensch glaubhaft den Eindruck vermittelt, eine Situation unter Kontrolle zu haben, darf sich auch ein Herdenschutzhund(mix) kurz entspannen.
  21. Wenn das obere Ende der Leine „Hier!“ ruft, sollte zunächst überprüft werden, ob es einen wichtigen Grund gibt.
  22. Kommt nach „Hier!“ ein scharfes „Hier! JETZT!!!“, ist dieser Aufforderung umgehend Folge zu leisten. Sonst gibt’s Ärger.
  23. Alle Spuren in der näheren Umgebung sind genauestens, also langsam und gründlich, zu untersuchen.
  24. Vor dem großen Geschäft muss einige Male hin- und hergelaufen und sich mindestens viermal im Kreis gedreht werden. Das gilt unabhängig davon, ob ein Mensch an der Leine hängt oder nicht.
  25. Nach allen Geschäften muss gescharrt werden. Ordentlich und mit allen vier Pfoten. Dabei ist die Rute hoch erhoben zu halten.
  26. Alle Nachrichten, die ein anderer Hund hinterlassen hat, gehören kommentiert. Ausgiebig.
  27. Wenn das obere Ende der Leine nicht auf Leinenführigkeit besteht, darf auch einmal unvermittelt losgerannt werden. Der Mensch wird schon irgendwie hinterherkommen.
  28. Katzen müssen verfolgt werden. Kurz. Damit sie sehen, wer Chefin ist.
  29. Kaninchen dürfen gejagt werden, solange niemand „Hier! JETZT!!!“ ruft.
  30. Kaninchen, die im Hundemaul Selbstmord gemacht haben, sollten mit nach Hause genommen werden dürfen.
  31. Wasser ist unbedingt zu meiden. Es ist nass und gefährlich.
  32. Wasser von oben ist in Ordnung.
  33. Wenn jemand Essen herumliegen lässt, ist eine schnelle Reaktion erforderlich. Sonst ist das Essen wieder weg.
  34. Bei zu langen Spaziergängen kann der Versuch unternommen werden, an einer Wegbiegung sitzen zu bleiben und vorwurfsvoll zu gucken. Manchmal funktioniert das, und die Strecke wird abgekürzt.
  35. Nach Möglichkeit sollte immer die gleiche Strecke abgegangen werden. Neue Strecken lenken nur ab, und mögliche Nachrichten könnten überrochen werden.
  36. Bei den meisten Menschen dauert es nach der Ankündigung eines Spaziergangs noch ca. 20 Minuten, bis wirklich losgegangen wird. Diese Zeit kann durch Anspringen, Fiepsen, Bellen und Kratzen an irgendetwas Teurem häufig abgekürzt werden.
  37. Menschen auf Fahrrädern sind nicht vorfahrtberechtigt, sondern haben gefälligst langsam zu fahren, wenn ein Hund gerade auf dem Weg zu tun hat.
  38. Kinder sind laut und doof. Die meisten jedenfalls.
  39. Wenn das obere Ende der Leine nicht stehenbleibt, wenn der Hund Nachrichten riecht, darf kurz und entschieden in die entgegengesetzte Richtung gestrebt werden, um auf den Menschen auf den Fehler aufmerksam zu machen.
  40. Gassirunden müssen nicht lange dauern. Meist reicht ein 15-minütiger Kontrollgang.
  41. Wasser aus schlammigen Pfützen schmeckt besser als aus dem Wasserhahn.
  42. Wenn der Hund sich neben seinen Menschen setzt, hat dieser sofort mit Streicheln anzufangen. Tut er das nicht, ist eine Sanktion in Form von kleinen Klappsen mit der Pfote erlaubt. Oder Nagen am Knie.
  43. Ein normaler Hund braucht mindestens fünf Schlafplätze.
  44. Wenn das Essen nicht zur Zufriedenheit ausfällt, helfen ebenfalls vorwurfsvolle Blicke. Manchmal gibt es dann noch ein rohes Ei dazu. Oder Thunfisch.
  45. Hochspringende Grashalme könnten gefährlich sein.
  46. Das gleiche gilt für Heuschrecken, Falter, Vögel und überhaupt alles, was sich schnell bewegt.
  47. Fragen auf menschisch sind mit einem verständigen Blick zu kommentieren. Dann fühlen sich die meisten Menschen verstanden und rücken Leckerli raus.
  48. Autofahren sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
  49. Ein Herdenschutzhund läuft keinen Marathon. Niemals. Alles über fünf Kilometern ist Tierquälerei und sollte dem BMT gemeldet werden.
  50. Es ist immer auf ausreichende Ruhepausen zu achten.

Das Beitragsbild ganz oben ist von meinem ersten Dänemarkurlaub 2019. Aber weil ich darauf so stattlich und schön aussehe, fanden wir es passend für mein Manifest.

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