Ich und meine Kernkompetenzen: Begriffskärung

Ich war ja mal beim Hundeführerschein. Glücklicherweise mussten wir keine Prüfung machen, aber ich musste trotzdem ganz schön viel lernen. Und vor der Hundetrainerin hatte ich auch Angst, obwohl sie ganz dolle kompetent war. Behauptete jedenfalls die Übersetzerin. Naja. Weffel… Ich lasse mich lieber von unserer Gassifreundin und bester Hundetrainerin überhaupt trainieren. Die fühlt sich nämlich so schön in mich rein und sagt immer nur der Übersetzerin, was sie falsch macht. Weil ich ja auch gar nichts falsch machen kann. Ich bin der Hund. Nämlich! Weff!

Ich finde es sehr wichtig, dass eine Hundetrainerin den Menschen am oberen Ende der Leine ein ordentliches Fietbäck gibt. (Das ist eine Fremdsprache und bedeutet, dass gesagt wird, wie es war… Glaube ich jedenfalls.)

Anmerkung der Übersetzerin: Frieda, Du schweifst ab! Du wolltest über Deine Kernkompetenzen bellen.

Achhundje! Jetzt erwarten Sie wahrscheinlich von mir, dass ich irgendwelche Kernkompetenzen herbeibelle. Dabei habe ich eigentlich gar keine Ahnung. Ach, wissense, ich belle Ihnen einfach, was ich gut kann und was nicht.

Bei diesem Hundeführerschein hat die Trainerin erzählt, dass jede Hunderasse bestimmte Bedürfnisse und Kompetenzen hätte. Und dass die Menschen auch ein bisschen darauf gucken müssten. Mein Freund Zeppelin zum Beispiel hat als Rauhhaardackel den Job, Wildschweine aufzustöbern. Wenn seine Leute ihm das leuchtende Jäckchen angezogen haben, ist der auch voll auf Arbeit.

Chuck, der inzwischen weggezogen ist, war ein Schäferhundmix und hat die Schutzhundeprüfung abgelegt.

Meine alte Freundin Luna war Labradorin und hätte die Aufgabe gehabt, totgeschossene Vögel aus dem Wasser zu fischen. Manchmal hat sie auch Sachen aus dem Wasser gefischt. Aber abgegeben hat sie nie etwas.

Und ich bin ein Herdenschutzhund und muss seine Herde beschützen.

Im Hundeführerschein war noch so ein riesiger Bordercollie. Die müssen die Schafe zusammenhalten und um sie herumrennen. Wenn es keine Schafe gibt, will er Tricks lernen, sonst wird er wuschig. Ich habe schon von Bordercollies gehört, die ihre Leute dauernd in die Fersen gezwickt haben, wenn die sich beim Spazierengehen zu weit entfernt haben.

Ich habe es da viel einfacher: Ich lege mich auf die Veranda oder ins Gebüsch am Zaun, wo mich niemand sieht und gucke. Und wenn böse Feinde kommen (Briefträger, Nachbarn, andere Hunde, Paketboten – kurz, alle, die nicht auf meinem Grundstück gemeldet sind), stürze ich hervor und mache einen Mordsradau.

Wenn wir spazierengehen, habe ich aber frei. Sagt die Übersetzerin. Das klappt aber nicht. Ein ordentlicher Herdenschutzhund hat nie frei. Nämlich! Weff!

Aber wenn ich auf unserem Spazierweg von weitem etwas sehe und die Ohren aufstelle, sagt sie ganz oft: „Frieda, das ist nicht für dich. Du hast gerade keinen Job.“ Ach, und eigentlich tut das auch ganz gut, sich mal für ein Stündchen um nichts kümmern zu müssen!

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