Mein absolut schrecklich grauenhafter Besuch bei der Tierärztin

Manchmal frage ich mich ja, ob mich die Übersetzerin für ein bisschen doof hält… Aber lesen Sie selbst:

So ist es normalerweise

Am frühen Morgen geht sie oft laufen, und ich bleibe zuhause. Das macht sie manchmal so. Sie läuft nämlich gern lange oder schnell, und das ist beides nichts für mich. Ich mag es gemütlich. Ganz davon abgesehen habe ich ja während eines Spaziergangs auch zu tun: Schnüffeln, markieren, gucken, schnüffeln, markieren, buddeln, gucken, schnüffeln…

Wenn die Übersetzerin dann mit ihrem Gerenne fertig ist, holt sie mich ab. Zum Kuhldaun, wie sie das nennt. Dann machen wir noch eine kleine Runde zusammen, ich kann in aller Ruhe meine Sachen erledigen, und sie kuhlt daun und macht Sstretsching (auch so ein Wort, das ich nicht kenne…). Wenn wir dann wieder zuhause sind, bekomme ich mein Frühstück und ruhe mich aus, bis ich das Gefühl habe, auf den Garten aufpassen zu müssen.

So ist das IMMER!!!

An den Tagen, an denen sie nicht läuft, darf ich natürlich gleich mit.

So war es letzten Dienstag

Das war letzte Woche ganz anders: Sie kommt wieder, aber nicht, um mich abzuholen. Ne, ganz reingegangen ist sie. Und dann hat sie mir auch noch Leckerli im Garten versteckt! Das macht sie nie! NIEMALS! Okay, vielleicht ganz früher mal. Aber daran kann ich mich nicht erinnern. Frühstück gab es übrigens auch nicht.

Da fragt man sich als Hund ja schon zum ersten Mal, ob alles in Ordnung ist, oder?

Danach hat die Übersetzerin erst unter dem Wasser gestanden, hat sich andere Sachen angezogen und mir mein Halsband, und dann sind wir los. Ohne Frühstück! Und eine ganz andere Strecke als sonst! Durch die Stadt! Durch den ollen Fußgängertunnel und über die noch ollere Brücke.


Anmerkung der Übersetzerin: Die Brücke ist wirklich oll! Das Witzenhäuser Stadtparlament will sie seit ca. 105 Jahren ersetzen, und bei allen Witzenhäusern und -innen ist sie ein echter Running Gag.


Das war mir schon sehr unheimlich. Ich habe auch auf dem ganzen Weg versucht, sie ein bisschen zu bremsen. Aber sie hatte einen Stechschritt drauf, den ich so gar nicht von ihr kenne. Normalerweise geht sie immer ganz gemütlich mit mir.

Ich hatte keine Ahnung, was nicht richtig war, aber ich wusste ganz genau: Hier stimmt etwas überhaupt nicht! Und bin sicherheitshalber noch langsamer geworden. Als wir wieder auf einer Wiese waren (ganz woanders als sonst immer und überhaupt nicht in meinem Revier!), hat sie die Leine abgemacht. Wahrscheinlich dachte sie, ich würde ihr dann hinterherrennen.

Aber Hundekuchen! Bin ich nicht! Umgedreht bin ich und wollte schnell wieder nach Hause. Den Weg kenne ich ja schließlich, auch wenn es mir sehr unangenehm gewesen wäre, noch einmal über die olle Brücke und durch den ollen Tunnel laufen zu müssen.

So sehe ich aus, wenn ich auf dem Nachhauseweg bin. Die Brücke, die Sie sehen können, ist noch nicht so oll wie die alte Werrabrücke.

Sie hat mich aber gleich wieder herbeigerufen. Dann komme ich auch. Ich bin schließlich ein ordentlicher Hund.

Sie hat mich wieder an die Leine genommen, und die Zieherei ging von vorne los. Naja, eigentlich von hinten; nach vorne wollte ich ja nicht.

Und jetzt dürfen Sie dreimal raten, wo das Ganze endete! Genau: Bei der Tierärztin! Und da habe ich erst herumgesessen und einer Zweibeinerin dabei zugeguckt, wie sie eine bewusstlose Katze herumgetragen hat, bin von der Übersetzerin auf so ein Ding gezerrt worden, das irgendwelche Zahlen gezeigt hat und dann in das Zimmer, in dem vorher die bewusstlose Katze gelegen hatte. Dort hat sie mir etwas über die Nase und das Maul gezogen, und die Tierärztin sagte „Gutschigutschi“ und kam mit einer Spritze auf mich zu. Ich mich schnell hingesetzt. Das hilft ja normalerweise immer. Aber nicht gegen Spritzen…

Sowas hatte ich auf der Schnauze. Als wäre ich wild und gefährlich. Ich!!!

Leckerli gab es auch nicht. Aber immerhin habe ich herausgefunden, was die Zahlen bedeuteten: Ich wiege 32,8 kg, ich stattlicher Hund, ich!

Das war mein Dienstag. Geht ja wohl nicht schlimmer, da stimmen Sie mir doch zu, oder? Oder???

Der Rückweg war dann wieder okay. Ich habe der Übersetzerin gebellt, was sie schreiben soll, sie hat das in ihr Teil gesprochen, und ich durfte auf der Wiese überall hinrennen. Und dann habe ich sie noch irgendwas mit „Brötchen“ denken hören.

Und tatsächlich: Als Belohnung, weil ich in der Tierarztpraxis niemanden gebissen habe und weil ich so tapfer war, habe ich ein ganzes Brötchen geschenkt bekommen! Das passiert sonst auch nie. Die Übersetzerin muss ein ungeheuer schlechtes Gewissen gehabt haben, ich bell’s Ihnen!

Und noch eine Anmerkung der Übersetzerin: Herzlichen Dank an das großartige, empathische und unfassbar gut organisierte Team in der Tierarztpraxis Troyke/Turban in Witzenhausen! Auch wenn das Frollein Frieda möhrt und knöhrt – ich bin Ihnen für Ihre Arbeit sehr dankbar!

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