WorĂŒber ich mich bei jedem Spaziergang aufrege und was ich sonst noch đŸ’© finde

Ich liege jetzt seit geschlagenen drei Wochen (es könnte auch viel lĂ€nger sein!) vor dem Schreibzimmer der Übersetzerin und trommle mit den Vorderkrallen. Und was passiert? Nix!

Sie bloggt und schreibt wie doof. Aber nicht fĂŒr mich! Denn dann hĂ€tte ich ja schon Post bekommen von Ihnen, dass Sie von meinen Erlebnissen gelesen haben und wie es Ihnen gefallen hat. Habe ich aber nicht. Möhrknöhr!

Ich bin erbost. Ich prangere das an. Und ich will, dass jemand den Tierschutzverein anruft. Wegen strÀflicher VernachlÀssigung eines armen, hilflosen Herdenschutzhundmixes, der so niemals ein Petfluencer werden wird.

Frollein Frieda liegt vor der TĂŒr zum Schreibzimmer der Übersetzerin und wartet.
Warten auf einen Blogartikel. Oder eine Hunderunde. Streicheleinheiten. Hach, ich warte eigentlich immerzu…

Aber jetzt, auf einmal, fÀngt sie doch an zu schreiben. Weil sie eine Aufgabe hat, die sie gleich zweimal erledigen will. Streberin, die!

Was, in Dreipudelsnamen, ist ein „Rennt“???

Wir schreiben jetzt nĂ€mlich so einen „Rennt“. Keine Ahnung, was Rennen mit Schreiben zu tun haben soll. Aber Ihr Menschen habt ja dauernd so komische Wörter fĂŒr Sachen, die kein Hund wissen muss. Uns reicht ja „Sitz.“, „Platz.“, „Hier.“, „Nein.“, „Fein!“, „Bleib.“ In meinem speziellen Fall vielleicht noch „Nicht den BrieftrĂ€ger essen!“.

Aber jetzt soll es ein „Rennt“ sein. Ich renne ja manchmal. Einem Kaninchen oder einer Katze hinterher. Aber das ist doch nichts besonderes.

Die Übersetzerin hat nachgeguckt: Ein „Rennt“ ist eine Schimpfkanonade und schreibt sich so: „To rant“ ist englisch und bedeutet „Schimpfen und Schwadronieren“. Okay. Das kann ich beides. Naja, eigentlich weiß ich das nicht, weil ich nicht weiß, was Schwadronieren ist. Ich bin hier schließlich nur der Hund. Aber egal. Ich schimpfe jetzt.

Und ich darf mir selbst aussuchen, worĂŒber ich schimpfen will.

Weg da! Du bist im Weg, du Hund!

Heute schimpfe ich ĂŒber diese Menschen, die ĂŒberall herumlaufen oder (noch schlimmer!) mit dem Fahrrad oder Auto fahren, ohne auch nur einmal zu gucken, was um sie herum so los ist.

Sie stehen oder fahren im Weg herum und merken es nicht. Manche haben sogar noch einen Hund dabei und keine Ahnung, was mensch zu tun hat, damit eine Hundebegegnung fĂŒr alle Beteiligten friedlich und zufriedenstellend verlĂ€uft.

Anmerkung der Übersetzerin: Und wir schimpfen ĂŒber diese rĂŒcksichtslosen Bauarbeiter, die unsere Spazierwege als Rennstrecke nutzen. Weil sie eine FahrradbrĂŒcke ĂŒber die Werra bauen sollen, die sowieso niemals fertig wird. In Witzenhausen werden die BrĂŒcken nĂ€mlich niemals fertig. Das wissen alle, nur die Stadtverwaltung nicht.

Nein, liebe Übersetzerin, es wird jetzt nicht ĂŒber den öffentlichen Dienst schwadroniert! Das. Ist. MEINE. Schimpfbellerei!!!

Diese Bauarbeiter fahren allerdings wirklich in einer Geschwindigkeit auf meinen Wegen, dass mir Angst und Bange wird. Die Übersetzerin hat sich auch schon einige Male todesmutig in den Weg gestellt, damit sie langsamer fahren. Neulich hat sie ihnen hinterher gebrĂŒllt: „FĂŒr den NĂŒrburgring reichen deine PS nicht, du …!“ Und dann noch ein Wort. Aber das kannte ich nicht.

Dann haben noch die Leute von unserer Stadtzeitung einen Artikel ĂŒber so ein bescheuertes Mohnfeld veröffentlicht.

Jetzt fĂ€hrt der halbe Werra-Meißner-Kreis ebenfalls auf meinen Wegen herum, weil die Menschen sogar zu faul sind, einen halben Kilometer zu Fuß zu gehen. Wissense, wenn ich mal nicht laufen will, habe ich meine GrĂŒnde. Ich arbeite den ganzen Tag und esse im VerhĂ€ltnis dazu nicht sehr viel. Aber viele Menschen sind da ganz anders aufgestellt (figĂŒrlich, meine ich), und genau die, die es am nötigsten hĂ€tten, fahren am dichtesten mit den Autos ĂŒberall ran… Ach, was rege ich mich auf? NĂŒtzt ja nix.

Manche rennen auch mit solchen Stöckern umher und machen dabei einen Mordskrawall. Und gucken biestig. WĂŒrde ich aber wahrscheinlich auch, wenn man mir noch ein paar Beine verpassen wĂŒrde, mit denen ich nicht zurechtkomme.

Ne, aber echt jetzt: Das ist mein Spazierweg. Und der von Tami, John-Boy und Antje.

Das sind wir drei: Tami, der rehbraune Podenco-Mix, in der Mitte, links davon ich, schwarzweiß und puschelig, und rechts John-Boy, ein Labrador-Mix in einem sehr schönen Graubraun.
Wie man sehr gut sehen kann, ist auf unserem Weg auch kein Platz mehr fĂŒr jemand anderen!

Und dann verbuddelt irgendjemand ein paar Samen, heraus kommen ein paar rosa Blumen, und halb Deutschland pilgert zu diesem Blumenfeld. Das muss doch nicht sein! Guckt doch die Blumen auf Euren eigenen Beeten an! Weff. Knurr. Möhr.

Es ist doch auch immer noch Corona! Die sollen gefĂ€lligst alle zuhause bleiben! Und nur die, die einen Hund haben, dĂŒrfen raus. Mit Passierschein. Aber nicht da, wo ich bin. Hach, wĂ€re das schön!

Das Mohnfeld. HĂŒbsch. Kann hund ganz wunderbar drinnen herumrammeln. Besonders, wenn es noch ein bisschen nass vom Regen ist.

Und wenn dann doch jemand draußen ist, will ich, dass der gefĂ€lligst „Bitte“ und „Danke“ und „Guten Tag“ sagt, wenn wir schon so ein Gewese machen, damit er an uns vorbeikommt.

Die Übersetzerin hat schon gar keine Lust mehr, mich herbeizurufen. Neulich zum Beispiel haben wir richtig ordentlich Spalier gesessen. Es hĂ€tte bloß noch eine La Ola gefehlt. Und dann kommen so drei Menschen auf diesen FahrrĂ€dern, auf denen sie nicht treten mĂŒssen und sagen keinen Ton.

Höflichkeit. So wichtig. Uns Hunden auch!

Diese FahrrĂ€der sind Mist, ich bells Ihnen! Weil hund die erstens nicht hört und die Leute darauf zweitens nicht schnaufen, weil sie ja nichts machen außer ein bisschen die Beine zu bewegen. Und das ist nicht einmal fĂŒr Unsportliche anstrengend.

Glauben Sie wohl, die hĂ€tten auch nur einen Ton gesagt? „Guten Tag!“ hĂ€tte ja schon gereicht. Mir nicht, aber Antje und die Übersetzerin sind inzwischen sehr genĂŒgsam, fĂŒrchte ich. Ich hĂ€tte mindestens erwartet: „Vielen herzlichen Dank fĂŒrs Platz machen!“ und „Was sind das fĂŒr wunderhĂŒbsche Hunde! Und wie schön die sitzen können! Ganz besonders der schwarzweiße puschlige!“

Manchmal ruft die Übersetzerin dann ganz laut: „Frieda, das musst du nicht nochmal machen! Die nĂ€chsten darfst du beißen.“

Ich glaube ja, dass sie irgendwann nicht nur keinen Platz mehr macht, sondern mal so einen vom Fahrrad schubst. Gucken tut sie jedenfalls so.

Übrigens habe ich gelernt, dass derjenige, dem wir keinen Platz mehr machen, weil die davor so unhöflich waren, als wir ihnen Platz gemacht haben, ein Kollateralschaden ist. Das sind die unschuldigen Opfer, die eben so passieren. Sagt die Übersetzerin.

Ich glaube, wir werden eine Menge KollateralschĂ€den zurĂŒcklassen, wenn die Menschen nicht „Danke!“ sagen lernen…

Fertig geschimpft.

Sie können also gern einen Kommentar schreiben, damit die Übersetzerin mitbekommt, wie dolle Sie mich vermisst haben. Am besten jetzt gleich.

Wenn Ihnen demnĂ€chst mal Leute mit ihren Hunden Platz machen: Sagen Sie doch ein freundliches „Dankeschön!“ Die Menschen freuen sich ĂŒber Höflichkeit. Und wir Hunde uns auch. Echt.

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