Was ist territoriales Verhalten bei Hunden?

Liebe Followerinnen und Follower, Mithunde und Mithündinnen, Leserinnen und Leser…

Anmerkung der Übersetzerin: Ich versuche, mich gendermäßig korrekt auszudrücken, und der Hund liegt unter dem Stuhl und schnarcht… Dabei ist das so ein wichtiges Thema. Das nicht nur Herdenschutzhunde und -mixe betrifft. Frieda! Frieeeeeeda!!!

Frollein Frieda, der Herdenschutzhundmix, liegt unter einem Stuhl und döst.
Das ist mein Lieblingsplatz, wenn ich auf etwas warte, was wahrscheinlich so bald nicht passieren wird.

Vorwort von Frollein Frieda und Rechtfertigung ihres territorialen Verhaltens so ziemlich überall

Och, menno, erst tippt sie gar nichts, dann stundenlang irgendeinen Menschenquatsch, und wenn hund dann ein kleines Ruhepäuschen macht, wird rumgebrüllt. Menschen! Echt!

Legen wir los: Heute geht es um territoriales Verhalten von uns Hunden. Das kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Ich befinde mich wahrscheinlich am oberen Ende der Skala. Aber eine Hälfte von mir ist ja auch so gezüchtet worden, und die andere Hälfte hat sich irgendwie angepasst.

Bevor ich eingezogen bin, hat die Übersetzerin in einem Buch über Herdenschutzhunde gelesen. Da stand viel Kluges drin. Unter anderem, dass ein „normaler“ Hund auf alles aufpasst, was auf seinem Grundstück ist, aber ein Herdenschutzhund auch das bewacht, was er sehen kann und wo er schon eine Weile gesessen hat.

Dass stimmt. Ich habe mal im Urlaub einen Kellner vertrieben, weil der an meinen Tisch gekommen ist. Da hatte ich nämlich schon ein paar Minuten drunter gelegen. Das gleiche gilt, wenn ich eine Weile auf einem Fleck sitze. Der gehört dann auch mir.

Aber ich fasse vor (Achtung: Das war ein Hunde-Wortspiel!). Jetzt darf nämlich ausnahmsweise die Übersetzerin mal ein bisschen mehr schreiben. Die hat nämlich Bücher gelesen und die Hundetrainerin unseres Vertrauens gefragt.

Territorialverhalten – typisch für Wölfe und Hunde

Das Territorium ist für ein Wolfsrudel eine elementare Ressource: das Gebiet, in dem sie jagen, Orte, an denen sie ihre Ruheplätze haben, ihre Jungen aufziehen und die sie dementsprechend gegen Zugriff fremder Artgenossen verteidigen. Damit für alle klar ist, wo die Grenze verläuft, wird markiert. Immer wieder.

Als der Mensch sich entschloss, den Hund zu domestizieren, ist möglicherweise diese Verteidigung des Territoriums ein wichtiger Faktor gewesen. Denn damals gab es noch keine Zäune um die Grundstücke, und der Mensch musste sein Eigentum anders schützen (lassen). Fakt am Rande: Der Name „Hovavarth“ hat sich aus dem Wort „Hofwart“ entwickelt. Das sagt doch schon alles, oder?

Es übernahmen also die Hunde den Job, auf das Hab und Gut ihrer Menschen aufzupassen. Inzwischen gibt es zwar Zäune und Mauern; trotzdem wird erwiesenermaßen in Häuser mit Hunden seltener eingebrochen. Der Einbrecher kann ja schließlich nicht am Gebell erkennen, ob sich hinter der Wohnungstür ein verplüschter und gastfreundlicher Labrador befindet oder ein pflichtbewusster und engagierter Rottweiler.

Während aber die Wölfe noch ein sehr großes und fest definiertes Territorium ihr eigen nannten, muss sich der heutige Hund mit deutlich weniger Raum zufriedengeben. In der Regel muss er sich sein Territorium beim Gassigehen mit X anderen Hunden teilen.

Territorialverhalten beim Herdenschutzhund

Für einen Herdenschutzhund hingegen ist das Territorium wesentlich größer als für einen „normalen“ Hund. Immerhin wurde er gezüchtet, um mit den Schaf-, Ziegen- oder Rinderherden irgendwo in den Bergen alleingelassen werden zu können. Da wechselt das Territorium natürlich immer dann, wenn die Herde auf eine neue Wiese umzieht.

Ein weißer Herdenschutzhund bewacht seine Schafe.
Von meinen schwer arbeitenden Artgenossen hatte ich Ihnen ja schon in meinem letzten Artikel gebellt.

Der Herdenschutzhund beschützt auch seine „Ressource“ (Herde, Familie, Haus und Garten). Da ist er dem ganz normalen Hund ganz ähnlich. Der Herdenschutzhund hat das zu beschützende Gebiet nur „ein bisschen“ erweitert. Deshalb wird in der Erziehung zu Arbeitshunden auch sehr darauf geachtet, dass er den Zaun, der sich in der Regel um seine Herde herum befindet, auch für sich selbst als Grenze anerkennt.

Auch wenn ein Herdenschutzhund in einem Wohngebiet zuhause ist, macht ein ausbruchssicherer Zaun Sinn.

Während zum Beispiel ein Terrier wie unser Weihnachtsbesuch Chica sein territoriales Verhalten durch ohrenbetäubendes Gekläffe zeigt, wird ein gut ausgebildeter Herdenschutzhund eher ein abgestuftes Drohverhalten zeigen. Das fängt mit Präsenz am Zaun an und geht mit Laufen entlang des Zaunes weiter (also der „Begleitung“ des potentiellen Eindringlings). Natürlich wird dabei auch gebellt. Aber das Gebell eines Kaukasischen Owtscharkas klingt zumindest in meinen Ohren deutlich souveräner als das eines Yorkshire-Terriers (die Terrierbesitzer/innen mögen mir meine Vorliebe für groß, kräftig und sonore Stimmen nachsehen).

Territorialverhalten bei Frollein Frieda

Frieda zeigt ein ähnliches Verhalten wie ein ganz „normaler“ Herdenschutzhund. Der Unterschied zum souveränen Bewacher einer Herde: Sie hat eigentlich Angst. Denn ihre Gene sagen: „Du musst aufpassen! Gib alles! Schlag sie in die Flucht!“, aber eine weitere innere Stimme scheint anderer Meinung zu sein: „Och, menno, da ist schon wieder wer! Kann sich bitte jemand anderes darum kümmern? Ich habe doch eigentlich Angst und weiß gar nicht, wie groß ich bin!“

Deshalb würde ich ihr Verbellen am Zaun mit „Vorsicht! Ich habe Angst!“ übersetzen. Leider weiß das der inzwischen leicht traumatisierte Postbote nicht…

Ja, das ist eine Vermenschlichung! Diese künstlerische Freiheit nehme ich mir einfach. Denn ohne das gäbe es Frieda Blog überhaupt nicht.

Frieda verteidigt sehr unterschiedlich. Bin ich mit ihr im Garten, schlägt sie einmal an. Wenn ich dann rufe: „Entspann‘ dich!“ ist normalerweise gleich wieder Ruhe. Ausnahme: Paketboten, Briefträger, Gasableser. Da muss ich sehr viel deutlicher werden, um sie vom Zaun wegzubekommen. Aber auch das funktioniert.

Ist sie jedoch mit ihrer Loh-Loh (meiner Schwiegermutter) allein, muss diese verteidigt werden. Hund kann ja schließlich nicht wissen, ob die es auch allein hinbekommt. Würden Sie an unserem Zaun vorbeigehen, könnten Sie den Unterschied hören.

Frollein Frieda zum Territorialverhalten bei Frollein Frieda

Ein bisschen was hatte ich Ihnen ja schon gleich am Anfang gebellt. Ich bin jedenfalls immer ganz froh, wenn die Übersetzerin mir die Arbeit ein bisschen abnimmt. Wenn sie mich beim Spazierengehen zum Beispiel an die Leine nimmt, weiß ich, dass sie ab jetzt alles für mich regelt. Klar, ich passe sicherheitshalber natürlich trotzdem auf. Aber ich fühle mich ein bisschen sicherer.

Dafür, dass ich einmal eine Briefträgerin und die Gasableserin gebissen habe, werde ich mich nicht entschuldigen! Denn die hatten auf meinem Grundstück überhaupt nichts verloren! Immerhin war da ja auch ein Schild!

… und wer dann immer noch aufs Grundstück geht… Nenene… Knurrweff!

Wenn Sie uns also besuchen wollen, rufen Sie am besten vorher an und treffen sich mit uns im nahegelegenen Park. Dann gehen wir ein Stück zusammen, ich lerne Sie kennen, und Sie dürfen vor mir ins Haus. Machen Sie kein Gutschigutschi, versuchen Sie nicht, mich zu streicheln oder mit mir zu sprechen – ignorieren Sie mich einfach. Dann lasse ich Sie vielleicht auch wieder raus. 😉

Einmal musste ich in meinem Zimmer bleiben, weil die Übersetzerin fand, dass ich entschieden zu zickig wäre. Das war doof. Ist mir notfalls aber lieber, als die ganze Zeit aufpassen zu müssen, wenn Besuch da ist.

Ja, ich weiß: Ich bin ein bisschen schwierig. Aber das wollte die Übersetzerin auch genauso haben. Sagt sie jedenfalls immer und grinst dann und streichelt mich.

Und was Sie machen können, wenn Ihr Hund ein bisschen zuviel territoriales Verhalten zeigt, bellen wir Ihnen bis Ende dieser Woche. Versprochen! Die Übersetzerin schreibt jetzt nämlich erst meinen und dann ihren Artikel.

Wir haben eine Literaturliste!

  1. Dr. Dorit Urd Feddersen Petersen: Ausdrucksverhalten beim Hund, Kosmos Verlag, 2008
  2. Ute Heberer, Nora Brede, Normen Mrozinski: Aggressionsverhalten beim Hund, Kosmos Verlag 2017
  3. Marie Nitzschner: Die Persönlichkeit des Hundes, Kosmos Verlag 2021
  4. Mehl, Robert: Die Psyche des Hundes, Kosmos, 2021
  5. Trumler, Eberhard: Der schwierige Hund, Kynos Verlag, 12. Auflage 2015 (schon älter, aber super zu lesen und sehr lehrreich)
  6. Cordt, Mirjam: HSH Hirtenhunde Herdenschutzhunde – Die verkannten Wesen, Caniversum Verlag, 2. Auflage 2016 (das Buch, wenn mensch etwas über Herdenschutzhunde wissen will – finden wir!)

An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an unsere liebe Freundin und Hundetrainerin Antje Bläsing aus Witzenhausen gebellt – unsere gemeinsamen Spaziergänge sind nicht nur sehr schön, sondern immer auch hilf- und lehrreich. Wuff und Pfote drauf!

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