Bello hat Sie gehört – aber er kommt nicht!

Heute belle ich Ihnen von einem Hund, der uns immer mal wieder über den Weg läuft. Seine Leute fahren gern mit dem Auto ins Naherholungsgebiet, gehen dort ein paar Schritte hin und her und fahren dann wieder nach Hause. Mit Bello.

Das wäre jetzt eine ganz alltägliche Geschichte, die wir nicht aufschreiben müssten. Aber Bello hat eine Angewohnheit:

Bello kommt nicht, wenn man ihn ruft.

Als ich ihn das erste Mal sah, war er gerade dabei, auf eine Straße zu rennen. Ich war auf der anderen Seite, und er schien mich dringend kennenlernen zu wollen.

Von ziemlich weit weg waren Stimmen zu vernehmen: „Bello! Bello, kommst du her! Bello, jetzt aber! Hier! Sofort!“ Bello schien diesen Stimmen keine Bedeutung beizumessen. Er raste weiter in meine Richtung – und auf die Straße zu.

Dann sahen wir einen Menschen, ebenfalls im Laufschritt, herankommen. Kurz vor der Straße bekam er seinen Hund zu fassen. „Das macht der immer so.“ rief er in unsere Richtung. „Er spielt so gern.“

Die Übersetzerin, die weiß, dass ich nicht so gern spiele, behielt mich an der Leine, murmelte irgendetwas und ging schnellen Schrittes von Bello und seinem Herrchen weg.

Unsere Lieblingshundetrainerin würde in so einer Situation sagen: „Wenn nach dem ersten Ruf nichts passiert, ist es Quatsch, stundenlang weiter zu rufen.“

Ich gebe ja zu, dass ich bei der Übersetzerin auch nicht immer beim ersten Mal herbeilaufe. Sie ruft nämlich oft erst „Hier!“ und dann, etwas später: „Jetzt!“ Dann weiß ich, dass es besser für mich wäre, jetzt aber auch wirklich zu kommen.

Ich finde nämlich, wenn sie beim „Hier!“ noch nicht dringend klingt, kann ich ja bis zum „Jetzt!“ noch meine Sachen machen, oder?

Zum Beispiel Buddeln…

Bello kommt weder nach dem ersten noch dem zweiten Rufen; der hört nicht für fünf Hundekekse auf irgendein Gerufe, glauben Sie mir!

Als ich einmal heiß war, ist er seinen Leuten auch weggelaufen, kaum, dass sie die Kofferraumklappe aufgemacht hatten. Glücklicherweise kann ich mich ja verteidigen. Mit Sitzen. Denn der ist mir einfach nicht vom Arsch gegangen, glauben Sie das? Mein lieber Hund, das war echt nervig!

Und seine Leute riefen und riefen und riefen… Das Herrchen hat es auch nicht geschafft, den ganzen halben Kilometer bis zu mir und seinem Bello zu rennen. Deswegen hat er sich ins Auto gesetzt, ist herbeigefahren, hat seinen Hund geschnappt und in den Kofferraum verfrachtet. Die Übersetzerin hat zu ihm gesagt: „Vielleicht warten Sie besser, bis Frieda und ich außer Schnüffelweite sind, bevor Sie die Klappe aufmachen.“ Recht hatte sie. Ich bin zwar gut im Notfallsitzen, aber wir wollten ja schließlich auch vorankommen.

Bei unserem letzten Zusammentreffen hatten Bellos Begleiter zur Verstärkung eine Hundepfeife dabei. Das hat aber auch nichts genützt. Ich glaube, dass Bello sich denkt: „Es ist egal, ob ich komme oder nicht. Sie schimpfen nicht, sie nehmen mich nicht an die Leine… Außerdem werde ich mit dem Auto abgeholt. Und bis dahin kann ich machen was ich will. Da wäre ich doch schön blöd, wenn ich auf das Rufen reagieren würde!“

Das hat ja schon was. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten und mit ein bisschen Nachdenken sind Verbindlichkeit und klare Ansagen die bessere Alternative. Denn es ist ja auch Stress, wenn hund alles allein entscheiden muss.

Nene, das wäre mir viel zu anstrengend!

Da ist es mir doch lieber, wenn mir die Übersetzerin die meisten Entscheidungen abnimmt. Dann weiß ich, dass sie sich um alles kümmert und ich nichts machen muss. Was glauben Sie wohl, wie entspannt das Hundeleben so ist! Da tut mir Bello schon ein bisschen leid, wenn er immer alles allein regeln muss. Dass der vor lauter Alleinemachen auch mal auf die Straße rennt, ist ja wohl kein Wunder.

Liebe Hundebesitzerin, bitte merken Sie sich: Antiautoritäre Hundeerziehung funktioniert nicht. Selbst ich als Herdenschutzhundmix und damit fast schon genetisch bedingter Entscheidungsfreude muss mich nicht um alles selbst kümmern.

Bevor Sie jetzt die falschen Schlüsse ziehen: Autoritäre Hundeerziehung ist auch Mist. Oder fänden Sie es toll, wenn Ihnen jemand andauernd das Gefühl vermitteln würde, dass Sie nur ein untergeordneter Befehlsempfänger sind?

Was ich mag: Klare Ansagen. Kurze, knappe Wörter. Und die Sicherheit, dass Ihr Menschen die Angelegenheiten auch einmal in die Hand nehmen könnt. Wenn Ihr nämlich unsicher seid, haben wir auch Stress. Und Stress ist doof. Nicht nur für Manager.

Für alle, die immer nur das Ende lesen, hier eine Zusammenfassung für gute Leinenoberenden (ohne weiter auf dem armen Bello herumzureiten).Versuchen Sie es mit:

  1. Guter Erziehung. Wertschätzend und auf Augenhöhe. Wir Hunde sind nämlich keine Deppen.
  2. Konsequenz, Verbindlichkeit, Respekt und Freundlichkeit.
  3. Nur einmal rufen. Einmal! Einmal! Wirklich nur einmal! (Anmerkung der Übersetzerin: Menno! Mimimi!)
  4. Klaren Ansagen.
  5. Viel Lob, wenn wir etwas gut gemacht haben. Wir nehmen auch gern einmal ein Leckerli. Aber werfen Sie uns nicht damit zu; dann ist es nichts Besonderes mehr. Und wenn Sie Ihren Hund dann noch
  6. regelmäßig streicheln und
  7. dieses Teil weglassen, haben Sie
  8. einen echt glücklichen Hund!
Glücklicher Hund

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