Noch mehr Personaltraining für Hunde

Ich hatte Ihnen ja schon einmal gebellt, dass ich Besuch nicht sehr gern mag. Daran hat sich seit meinem Einzug nicht viel geändert.

An ein paar Besucher habe ich mich inzwischen gewöhnt, und dann ist es auch in Ordnung, wenn sie sich in meinem Haus aufhalten. Anderen Besuch lasse ich gar nicht erst herein. Wieder andere Leute lasse ich zwar hinein, aber nicht wieder heraus. Die könnten ja etwas geklaut haben und jetzt wegschleppen wollen! So aber haben meine Leute die Möglichkeit, den Besuch erst einmal nach Diebesgut zu untersuchen. Es könnte ja sein…

Weil das aber nach Ansicht meiner Leute überhand genommen haben soll und insbesondere die liebe Loh-Loh eigentlich ganz gern Besuch bekommt und immer Sorge hat, ich könnte ihre Freundinnen vergraulen, musste also die Vanessa wieder her, unsere Hunde-Personaltrainerin. Dieses Mal haben wir uns aber nicht in ihrem Wald getroffen, sondern sie ist zu mir nach Hause gekommen.

An mir kommt niemand vorbei! Nämlich!

Das war vielleicht etwas! Ich habe mich natürlich ordentlich aufgebaut und wollte sie gleich verjagen. Aber die hat sich auf der Türschwelle herumgedreht und mich gar nicht mehr beachtet. Naja, und wenn jemand nicht frontal auf mich zugeht und mich auch nicht böse anguckt, ist ja erst einmal keine Gefahr. Also habe ich Vanessa hereingelassen.

Ich glaube aber, dass die es faustdick hinter den Ohren hat, obwohl sie so unschuldig und freundlich aussieht! Dagegen bin ich ein Waisenhündchen, ich bell’s Ihnen!

Drinnen hat sie gleich gesehen, dass meine Schlafplätze an den falschen Orten sind. Das hat sie meinen Leuten auch erklärt. Denn weil ich einerseits genetisch bedingt meinen Herdenschutzhundtätigkeiten nachgehen müsse, aber andererseits vor so ziemlich allem, was sich bewegt, Angst hätte, wäre ich die ganze Zeit im Stress. Und wenn mein Bett dann auch noch so stünde, dass ich gar nicht anders könne als aufzupassen, könne ich mich auch nie wirklich entspannen.

Also sollten meine Leute für weniger Stress sorgen. Zum Beispiel, indem sie meine Schlafplätze an einen Ort verlegen, von dem aus ich nicht aufpassen kann.

Und dann musste ich ins Kämmerchen umziehen. Das ist unser kleines Esszimmer und befindet sich noch hinter der Küche, in der hinterletzten Ecke des Hauses. Boah, fand ich das Scheiße! Ich habe später auch immer wieder versucht, aus meiner Ecke herauszukommen und mich wieder so hinzulegen, dass ich den Eingang im Blick habe.

Aber die waren konsequent und haben mich immer wieder zurückgeschickt. Und so nach und nach habe ich mich dann auch wirklich entspannt. Meistens haben die beiden Übersetzer auch sehr glaubhaft den Eindruck vermittelt, sie hätten die Situation im Griff.

Und wenn jemand zu Besuch kam, den ich so richtig schlimm doof fand, ist die Übersetzerin immer mit mir spazierengegangen. Sie hatte nämlich herausgefunden, dass ich weniger Krach mache, wenn ich von draußen komme und der Besuch schon im Haus ist. Wir sind ziemlich viel spazierengegangen in dieser Zeit… Und manchmal müssen wir das immer noch machen, z.B. wenn Snack uns besuchen kommt. Snack ist ein amerikanischer Zwergdackel und heißt eigentlich anders. Aber Luna und ich haben ihn gleich beim ersten Kennenlernen umgetauft. Als Hund konnten wir den wirklich nicht ernstnehmen.

Denken Sie mal, der hat auch einen Personaltrainer. Aber nicht wie ich für ab und zu eine Stunde, nene, der wird jeden Tag bespaßt! Und dann bekommt sein Frauchen noch lustige Filmchen von den Spaziergängen auf ihr Mäusekino geschickt, während sie bei der Arbeit ist. Also, ich finde das ja ein bisschen dekadent. Wahrscheinlich hat das Kerlchen auch Designerhundekram und bekommt im Winter ein Jäckchen an. Wenn ich könnte, würde ich genau an dieser Stelle kichern.

Aber ich wollte ja nichts von Snack erzählen, sondern von meinem Personaltraining. Da ist nämlich noch etwas passiert. Aber jetzt muss ich erst einmal in den Garten. Ich habe den Briefträger gehört.

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