Noch einmal zum Nachlesen: Personaltraining für Hunde – Teil 1

Vielleicht lag es an meinem Gequengel über Weihnachten, vielleicht lag es auch daran, dass ich einmal zu viel auf den Briefträger losgegangen bin… Ich weiß es nicht, und meine Leute haben es mir auch nicht ordentlich erklärt.

Tatsache ist: Gerade hatte ich mich von dem Silvesterschock erholt, da wurde ich ins Auto gepackt und verschleppt. Auf einen Parkplatz. Erst dachte ich, die wollten mich wieder abgeben – zumal neben unserem Auto noch eins stand, in dem zwei Hunde saßen. Aber die Luna war auch dabei, und die würde ja wohl niemand mehr abgeben. Hoffte ich jedenfalls und machte mich im Kofferraum ganz klein.

Dann sind alle ausgestiegen: Meine Übersetzer, Luna, ich, die beiden fremden Hunde und eine fremde Frau, die in dem anderen Auto gesessen hatte. Das war eine Hundetrainerin, wie ich heute weiß. Und die Übersetzerin sagte: „Schau Frieda, das ist Vanessa. Vanessa ist eine ganz tolle Hundetrainerin und wird Dir jetzt alles zeigen, was Du wissen musst.“

„Auweia!“ dachte ich mir. Wo ich doch so Angst habe vor fremden Leuten. Deswegen habe ich mich auch gleich hinter der Übersetzerin versteckt und mich noch ein bisschen kleiner gemacht. Aber es hat nichts genützt, die Frau wollte mich trotzdem trainieren.

Wir also in den Wald. Die beiden Hunde von der Frau waren glücklicherweise auch an der Leine. So sind wir ein ganzes Stück gegangen, bis die Frau sagte: „Seht ihr, jetzt haben sie sich aneinander gewöhnt, und wir können ganz entspannt weitergehen.“ Das hat sie später nämlich auch immer gemacht: Erst ein Stück an der Leine gehen, bis niemand mehr auf die Idee kommt, einen der anderen Hunde anzuzicken, dann ist man nach einer Zeit eine Art Gruppe und alle sind nett zueinander. Mehr oder weniger. Es gibt auch Hunde, bei denen funktioniert das nicht. Einer davon wohnt in unserer Nachbarschaft. Aber das belle ich Ihnen später einmal.

Übrigens waren die beiden Hunde von der Frau riesig groß! Jedenfalls kamen sie mir so vor. Luna bekam Komplimente. Sie wäre ein voll kuhler Hund, weil sie so klar kommunizieren und sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen würde. Da hat sich der Übersetzer sehr gefreut; früher hieß es nämlich immer, dass Luna ein gefährlicher Rabaukenhund sei. Echt! Kann hund sich gar nicht vorstellen! Gucken Sie doch mal, wie harmlos sie guckt! Die Übersetzerin sagt immer, sie sähe aus wie dieser plüschige Glücksdrache Fuchur aus der Unendlichen Geschichte. Kenne ich auch wieder nicht.

Mir hat natürlich wieder niemand gesagt, wie toll ich bin. Dabei bin ich toll! Weffjaul!

So sind wir eine ganze Weile herumgegangen, irgendwann durfte ich auch ohne Leine laufen und habe versucht, einen der fremden Hunde zum Spielen zu bewegen. Wollte der aber nicht und hat mir die Zähne gezeigt. Dann bin ich ein bisschen weggelaufen, und die Übersetzerin sollte mich rufen. Hat sie auch gemacht, und ich bin fast sofort zu ihr gekommen. Klar, ich hatte ja auch viel zu viel Angst, dass sie mich im Wald alleinlassen.

Dann, als wir schon wieder auf dem Rückweg waren und ich dachte, dass ich gleich alles überstanden hätte, passierte etwas Schreckliches: Die haben mich auf einen Acker gezerrt! Da stand ein riesiges Ungeheuer, und ich habe genau gehört, wie diese böse Frau zu meiner Übersetzerin gesagt hat: „Jetzt kannst du die Heldin werden für deinen Hund!“ Ganz toll! Ich habe alle meine Beine in den Boden gestemmt, weil ich nicht zu diesem Ungeheuer wollte, aber die Übersetzerin war stärker. Boah! Knurr! Ich hatte vielleicht eine Angst!

Da isses, das Ungeheuer!

Hinterher haben sie mir erklärt, dass dieses Ungeheuer gar nicht lebendig war und nichts machen konnte. Aber das war eben erst hinterher. Erst hat sie mich hinter sich her geschleift und das Ungeheuer angefasst. ANGEFASST, denken Sie mal! Ich fand die Übersetzerin auch wirklich voll mutig, aber deswegen hatte ich noch nicht weniger Angst. Trotzdem habe ich es nach einer Weile erst beschnüffelt und dann angepinkelt. Danach war es gut, und meine Angst weg. Schon irre, was Ihr Menschen uns Hunden so beibringen könnt, wenn Ihr es richtigmacht!

So hat zum Beispiel die Frau Hundetrainerin erklärt, wie man uns am besten herbeiruft. Dass wir nämlich nicht gern näherkommen, wenn unser Mensch so frontal zu uns steht und uns womöglich auch noch anguckt. Das können wir nämlich gar nicht leiden, weil das unter uns Hunden bedeutet: „Mach dich vom Acker, oder es gibt Ärger!“ Wenn sich der Mensch aber ein bisschen wegdreht und uns nicht direkt anstarrt, geht das. Dann hat die Frau noch gesagt, dass ich ein besonders feinfühliger Hund wäre und man bei mir nur ganz klitzekleine Zeichen bräuchte. Stimmt! Alles, was laut und grob ist, kann ich nicht leiden – siehe Weihnachten und Silvester. Da habe ich gedacht: „Naja, eine böse Frau ist es immer noch. Aber wenigstens ist es eine, die sich mit Hunden auszukennen scheint und meinen Leuten vielleicht besser erklären kann, wie sie gut mit mir umgehen.“

Anstrengend war das, und vor der bösen Frau hatte ich immer noch ein bisschen Schiss. Wer wusste schon, was die noch alles mit mir anstellen wollte?

Zum Schluss, als wir wieder am Auto waren, hat Vanessa gesagt, dass ich schon ganz schön viel gelernt hätte und man mich erst einmal in Ruhe lassen könnte, bis der Hundeführerschein im April anfinge. „Hundeführerschein? Soll ich jetzt etwa auch noch Autofahren?“ dachte ich mir. Aber ich wusste gar nicht, was „April“ ist und wie lange es noch dauern würde.

Dann hörte ich etwas von „Hausaufgaben“. Keine Ahnung, was das war. Die Übersetzerin sollte mit mir Sitzen üben. Immer mal wieder für ein paar Minuten sollte sie mir sagen, dass ich mich hinsetzen soll, und etwas Anderes als Sitzen sollte ich in der Zeit auch nicht machen. „Wegen der Frustrationstoleranz.“ hat Vanessa noch erklärt. Keine Ahnung, was das ist. Aber es war der Anfang meiner Karriere als Sitzerin.

Das ist nämlich meine Allzweckwaffe geworden; und im Zweifel setze ich mich immer erstmal hin. Aber das ist auch eine andere Geschichte, die ich Ihnen im nächsten Kapitel belle.

Nach dem Personalhundetraining ging es jedenfalls mit der Arbeit los. Auch sitzen kann anstrengend sein, wenn hund gerade ganz etwas Anderes vorhat, das können Sie mir glauben! Aber wahrscheinlich ist es auch nötig, dass die Menschen sowas mit uns machen; man trifft genug unerzogene Hunde auf der Straße! Ich bin ja noch gewachsen, und wenn so ein relativ großer Hund glaubhaft den Eindruck vermittelt, dass, was sein Mensch ruft, wäre ihm völlig egal, bekommen die anderen Menschen drumherum schließlich Angst. Das kann ich schon verstehen. Und so eine sitzende Frieda sieht bestimmt nicht so gefährlich aus wie eine bellende und knurrende. Aber davon wollte ich ja erst nachher…

Alle schnauzelang sind wir jetzt stehengeblieben, die Übersetzerin hat „Sitz!“ gesagt, und ich habe mich hingesetzt. Dann hat die Übersetzerin in der Gegend herumgeguckt und immer mal wieder auf die Uhr. Vanessa hatte ja gesagt, dass sie mich ein paar Minuten sitzen lassen sollte, und die Übersetzerin nimmt so etwas immer sehr genau. „Wir fangen mit zwei Minuten an und steigern uns langsam auf fünf. Was hältst du davon, Frieda?“ hat sie mich gefragt. Als ob sie das ernsthaft wissen wollte!

Aber ich will nicht unfair sein. Die Übersetzerin hat viel über uns Herdenschutzhunde gelesen und wollte alles richtig machen. Was uns ja vor allem auszeichnet ist unsere Fähigkeit, Dinge allein zu entscheiden. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie das wohl sein mag; aber wir sind ja dazu da, ganz allein auf eine Herde aufzupassen. Ohne Menschen in der Nähe. Die kommen nur ab und zu und sehen nach dem Rechten. Wenn wir dann so wären wie beispielsweise meine alte Freundin Luna, die Labradorin, müsste ja immerzu ein Mensch dabei sein, der uns sagt, was zu tun ist.

In meinen Genen ist also eine gewisse Selbständigkeit angelegt. Das findet die Übersetzerin auch gut. „Früher hatte ich immer Katzen.“ hat sie mir einmal gesagt. „Du bist im Grunde eine sehr große Katze.“ Katzen… Was das jetzt wieder ist??

Die Katzengedenk-Ecke der Übersetzerin. Sie hatte nämlich vor mir, Luna und Herrn Schmitt nur Katzen, denken Sie mal!

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