3. Kapitel, Teil 1: Zerstörungswut hat einen Namen!

Das sagt jedenfalls die Übersetzerin immer und meint damit mich. Dabei habe ich nur das gemacht, was kleine Hunde eben so machen: Dinge auf Widerstandskraft untersuchen. Spielen. Kiefertraining. Ausprobieren, was hund alles machen darf, ohne dass es jemand merkt. Noch mehr spielen. Beute machen. Alles ganz normal also.

Ich habe außerdem gehört, wie der Übersetzer von Luna erzählt hat. Vor der war nämlich auch nichts sicher, als sie klein war. Sogar die Kerzen vom Adventskalender hätte sie einmal gefressen. Keine Ahnung, was ein Adventskalender ist, aber Kerzen habe ich bei meinen Leuten schon gesehen. Die tun an der Nase weh, wenn hund daran schnuppert. Nicht nur deswegen nehme ich lieber das gute Roggenmischbrot aus der Bäckerei, in der die Übersetzerin arbeitet.

Für einen jungen Hund ist Spielen sehr wichtig. Das machen Wölfe auch. Nur, dass die nicht mit Schuhen und Adventskerzen spielen, sondern von ihren Wolfseltern Beute gebracht bekommen oder mit ihren Geschwistern spielen können. Ich hatte aber keine Geschwister hier, nur die alte Luna. Und die fing immer an zu brummen, wenn sie keine Lust mehr darauf hatte, von mir angebellt und angesprungen zu werden.

Klar, es gibt immer genug Hunde in der Nachbarschaft. Zwei wohnen in unserer Straße. Aber die sind beide riesig, und vor denen hatte ich schon als junger Hund ein bisschen Angst.

Deswegen wollte ich mit denen auch nicht spielen. Was blieb mir also anderes übrig, als mit dem vorlieb zu nehmen, was ich im Haus fand? Und wenn meine Leute ihre Schuhe extra für mich auf den Fußboden stellen, wo ich gut herankomme, heißt das doch: „Kannst du haben, liebe Frieda!“, oder?

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Ich mit einen von Loh-Lohs feinen Ausgehschuhen.

Aber dazu später mehr.

Nach einiger Zeit hatte ich mich eingewöhnt und konnte mir auch vorstellen, bei den netten Leuten wohnen zu bleiben. Ich bin zwar manchmal durch ein Loch im Zaun in den Garten des Nachbarn von oben geklettert, aber das war eher ein Versehen. In unserem Garten war ich viel lieber und fühlte mich da auch sicherer. Es war schließlich immer jemand da, mit dem ich mich unterhalten konnte oder der mich gestreichelt hat. Meistens waren das die Loh-Loh oder der Übersetzer. Bei den beiden hat die Fiepsnummer immer gut geklappt. Dafür ist die Übersetzerin immer mit mir rausgegangen und hat mich bespielt. Das war auch fein. Und wenn sie einen besonders netten Tag hatte, durften Luna und ich unter ihrem Schreibtisch liegen, während sie gearbeitet hat. Da mochten wir beide gern sein, und das Geklapper von ihrem Schreibgerät war so beruhigend!

Manchmal sind aber die beiden Übersetzer weggefahren, und dann habe ich Angst bekommen. Hätte ja sein können, dass sie verlorengehen. Nicht auszudenken! Aber die Loh-Loh hat sich dann mit mir auf die Treppe gesetzt und mich so lange gestreichelt, bis die zwei wieder da waren. Meistens hat sie später gesagt: „Ich musste Frieda die ganze Zeit streicheln.“, und die Übersetzerin hat geantwortet: „Nö. Musstest du nicht. Du kannst sie auch ruhig mal jammern lassen. Frieda ist nämlich eine kleine Drama-Queen.“ Keine Ahnung, was eine Drama-Queen ist; aber ich finde es nicht sehr nett, der Frau Loh-Loh das Streicheln ausreden zu wollen!

Unsere Spaziergänge wurden auch immer länger. Manchmal sind wir schon fast eine Stunde gelaufen, ich immer an der Leine. Die haben mir wohl noch nicht so richtig über den Weg getraut. Eigentlich Blödsinn. Wenn hund es so gut hat wie ich bei meinen Leuten, wird auch nicht weggelaufen. Ich schonmal sowieso nicht. Dazu habe ich viel zuviel Angst vor allem Möglichen. Und was hätte ich auch woanders gesollt?

Meine Geschäfte habe ich auch fast nur noch draußen erledigt. Okay, ganz manchmal, wenn ich es überhaupt nicht mehr ausgehalten habe, ist es im Haus passiert. Aber ich habe mir immer Stellen ausgesucht, die man gut wieder saubermachen konnte! Echt!

Die Übersetzerin sagt mir, ich soll jetzt gefälligst von meiner Zerstörungswut bellen, sonst macht sie es. „Zerstörungswut“… So ein Blödsinn! Sachen habe ich angenagt, wie sich das für einen Junghund im Wachstum gehört. Das haben wir doch schon oben aufgeschrieben. Aber gut, wenn sie das unbedingt will…

Angefangen habe ich mit meinem Schlafkorb. Das war gar keine böse Absicht, sondern ist irgendwie passiert. Wenn ich drin gelegen habe, habe ich eben gekaut. Das war so ein Weidenkorb, an dem hund sehr gut kauen konnte. Erst haben meine Leute auch gar nichts gemerkt. Aber als dann jeden Tag so kleine Reste um den Korb herumlagen, schon. Sie waren auch gar nicht böse, sondern hatten Angst, dass ich Bauchgrimmen bekomme von den kleinen Rattanteilchen. Dann haben sie irgendwann den Korb weggetragen und stattdessen eine Decke hingelegt. Da konnte ich natürlich noch viel besser dran nagen.

Manchmal bin ich auch in den ersten Stock gegangen. Da lagen zwei sehr schöne und schmackhafte Läufer. Aber ich habe auch alles andere weggeschleppt, was so am Wegesrand herumlag.*

Und dann die ganzen Schuhe! Ein Paradies für meine Zähnchen! Da haben sie aber dann doch geschimpft. „Der Hund braucht etwas zum Kauen!“ sagte dann der Übersetzer und schleppte Äste aus dem Garten herbei. Die habe ich aufgegessen und mich dann weiter um Teppiche und Schuhe gekümmert.

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Dieses Stöckchen war tatsächlich eine Herausforderung für mich…

 

 

 

 

 

*(Anmerkung der Übersetzerin: „Wegesrand“ ist in diesem Fall ganz klar eine Hundedefinition. Die Auswahl an Beutestücken, die Sie unten sehen, lag definitiv nicht an irgendeinem Wegesrand, sondern war ordnungsgemäß verstaut!)

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