2. Kapitel, Teil 2: Ich bin’s, die Frieda!

Immer mal wieder haben meine Leute mich in den Garten gelassen. Der war groß, und ich habe mich meistens sofort hinter dem nächsten Busch versteckt. Beim ersten Mal sind sie dann um eine Hausecke gegangen, und ich konnte sie nicht mehr sehen. Das war auch doof, ich habe Angst bekommen und bin sicherheitshalber hinterhergelaufen. Das ging eine ganze Weile so: Ich hinter einen Busch, die weg, ich hinterher. „Folgetrieb“ hat der Übersetzer das genannt. Naja, mir egal. Macht man halt so als Hund. Schließlich sind wir Rudeltiere.

So zog eine ganze Zeit ins Land. Wie lange genau, müssen Sie die Übersetzerin fragen. Ich merke mir so etwas nicht. Aber ich bin gewachsen und schwerer geworden und fand die Leute und die Luna auch bald ziemlich nett. Habe auch schnell herausgefunden, dass ich meine Geschäfte draußen erledigen soll. Das hat oft geklappt. Aber ganz am Anfang waren die Leute eben nicht schnell genug mit dem Herauslassen, und so ist der eine oder andere Bach und das eine oder andere Häuflein im Haus gelandet. HundehaufenGlücklicherweise haben die aber nicht mit mir geschimpft, sondern einfach meine Hinterlassenschaften weggemacht. Hapüh!

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Gucken Sie gefälligst weg!

Fressen gab es zweimal am Tag und ganz viele Streicheleinheiten. Immer wenn ich gern gestreichelt werden wollte, bin ich von einem zum anderen gelaufen, habe gefiepst und ihnen meine Pfote aufs Bein gelegt. Das hat besonders gut funktioniert, wenn ich dazu noch bedürftig geguckt habe.

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Ungefähr so. Auf dem Foto bin ich zwar schon groß, aber es funktioniert immer noch.

Ganz besonders die Frau Loh-Loh hat mich immerzu gestreichelt und auch erst dann aufgehört, wenn ich genug hatte. Aber das hat gedauert. Also, kraulen konnte ich mich ja ununterbrochen lassen! Das ist heute auch noch so. Und die Nummer mit der Pfote funktioniert meistens auch noch ganz gut. Das finden die nämlich voll süß!

Irgendwann sind wir dann das erste Mal Gassi gegangen. Damals wusste ich natürlich noch nicht, was das ist. Erst bekam ich ein Halsband angezogen. Das kannte ich schon aus Mostar. Aber dann haben sie daran eine Leine festgemacht und wollten mich wegschleppen. Das war Mist!!! Diese Leine fand ich voll schrecklich und habe mich die ersten Male geweigert, auch nur einen Schritt mit diesem Ding an mir dran zu machen. Meine Leute mussten ganz schön viel Geduld haben, bis wir das erste Mal richtig draußen, vor dem Gartenzaun, spazieren gehen konnten. Aber ich habe dann herausgefunden, dass am anderen Ende der Leine immer entweder der Übersetzer oder die Übersetzerin hing, und dann war es nicht mehr so schlimm.

So als kleiner Hund kann man ja noch nicht große Wanderungen machen. Wir sind also immer ein bisschen gegangen, dann habe ich gekackt, dann sind wir noch ein bisschen gegangen, und ich durfte herumschnüffeln. Aber dann war ich auch schon müde. Die Luna war jedes Mal mit und hat mir gezeigt, wo man draufpinkeln muss, damit die anderen Hunde wissen, dass man dagewesen ist. Die Übersetzer haben dann immer gesagt: „Na, lest ihr wieder am schwarzen Brett?“ Keine Ahnung, was die damit gemeint haben und was ein schwarzes Brett ist. Aber die schnüffeln ja auch nie an etwas. Ich glaube ja inzwischen, dass Menschen alles, was wir tun, irgendwie mit dem vergleichen müssen, was sie machen. Naja, sollen sie. Vielleicht erklärt die Übersetzerin in einem ihrer Kapitel, warum das so ist.

Und so gingen ein paar Wochen ins Land, die Striche an der Wand wurden immer höher und der Übersetzer hat sich ganz schön anstrengen müssen, wenn er mit mir auf die Waage gestiegen ist.

Kurz nachdem ich angekommen war, hat übrigens der Übersetzer für mich einen Blog eingerichtet. Das habe ich natürlich nicht mitbekommen, aber jetzt, wo ich langsam berühmt werde, lege ich natürlich Wert darauf, dass sich darum auch gekümmert wird. Der Blog heißt „Kleinfrieda“ und ist im Internet. Dazu muss ich Ihnen ja nichts erklären; Sie hängen ja alle dauernd über diesen kleinen Dingern und tippen und sprechen da rein. Was übrigens echt nervt, wenn Sie eigentlich mit Ihrem Hund spazieren gehen und sich darauf konzentrieren sollten! Wenn man nämlich mit seinem Hund unterwegs ist, hat man sich gefälligst mit ihm zu beschäftigen, statt immerzu an seinem Teil zu spielen!

Jetzt stuppst mich die Übersetzerin schon wieder an. Aber ich brauche auch eine kleine Pause. Ist ja anstrengend, Ihnen das alles zu bellen. Und dann darf ich nicht einmal abschweifen! Mal sehen, vielleicht bekomme ich sie zum Spazierengehen, wenn ich lange genug meine Pfote auf ihren Oberschenkel haue und laut fiepse. Hatte ich schon erwähnt, dass das immer sehr zuverlässig funktioniert? Naja, bei der Übersetzerin nicht… Die findet mich dann zwar süß und sagt das auch, aber sie macht trotzdem nicht, was ich will. Mist. Weff.

Bis später im nächsten Kapitel!

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