1. Kapitel: Wie mich meine Leute gefunden haben

Jetzt darf ausnahmsweise einmal die Übersetzerin schreiben, ohne dass ich diktiere. Damit Ihr Zweibeiner besser versteht, wie manchmal so alles kommt, muss es Euch wahrscheinlich auch ein anderer Zweibeiner erklären. Ich könnte es Euch bellen – aber Ihr könnt ja alle kein richtiges hündisch…

Pfotenwirbel, Wuff, Jahauuuullll: Es geht los mit meinem Buch!

Vorwort der Übersetzerin

Noch bevor das Frollein Frieda bei uns einzog, wurde bereits über einen Namen nachgedacht. Aber ich greife vor. Zunächst sollte ich Ihnen erzählen, wie sie den Weg von Mostar in Bosnien nach Witzenhausen in Hessen gefunden hat. Das war so:

Ich fand nach einiger Zeit der beruflichen Eingespanntheit, dass es jetzt dringend nötig sei, erstens etwas zurückzufahren und mich zzweitens mehr um mein Wohlbefinden und meine Gesundheit zu kümmern. Nachdem ich das eine Zeitlang getan hatte, wurde mir langweilig. Nichtstun war ja ganz schön, aber ein bisschen mehr sollte es doch sein. Und – schwupps! – schoss mir die Idee durch den Kopf, mir einen Hund zuzulegen. Das war ein unerfüllt gebliebener Kindheitstraum und würde meine freie Zeit sinnvoll füllen.

Zwar gab es schon einen Hund im Haus, die alte Labradordame Luna. Aber die war bestimmt einsam, nachdem ein Jahr zuvor ihr (und mein) lieber alter Freund, der Herr Schmitt Schmitt_im_Garten_2, über die Regenbogenbrücke gegangen war. Ein Zweithund wäre also fein.

Auch meine Familie, bestehend aus Mann und Schwiegermutter, hatte nichts gegen einen weiteren Hund einzuwenden, und so machte ich mich auf die Suche. Wo sucht man im Jahr 2016 irgendetwas? Natürlich: im Internet! Und nach einiger Zeit des Umsehens auf den verschiedensten Tierschutzportalen (etwas anderes als ein Hund aus dem Tierschutz kam für uns nicht in Frage), stieß ich auf Oreo. Oreo war ein schwarz-weiß gefleckter Hund, dem man die Kampfhundeltern recht deutlich ansah. Aber er war noch klein und niedlich, und Kampfhunde werden ja erst von ihren geltungs- oder sonstwie süchtigen Besitzern dazu gemacht, dachte ich.

Maya fand ich nur eine Seite weiter. Süß! Ein bisschen ängstlich schaute sie auf dem Foto drein.  IMG-20161114-WA0002 Darunter stand: „Ich werde mal eine ganz Große. Eines meiner Elternteile war nämlich ein Tornjak. Das ist ein Herdenschutzhund.“ Herdenschutzhund. Keine Ahnung. Hatte ich noch nie gehört, diesen Begriff. Also googelte ich „Tornjak“ und „Herdenschutzhund“ und erfuhr, dass diese Gattung Hund sehr selbständig, eigensinnig im besten Sinne des Wortes, territorial (den Begriff kannte ich davor auch noch nicht) und schwer zu erziehen sei. Wenn man dann aber damit fertig war, hätte man einen ganz wunderbaren Beschützer, Freund, Familienhund. Aber eben einen, der nicht einfach tat, was man ihm befahl, sondern auch für sich Respekt einforderte.

Bosniantornjak
Ein ausgewachsener Tornjak bei der Arbeit.

Das klang ein bisschen nach großer Katze für mich. Ich war früher in Katzenbesitz und deswegen auch gewohnt, zu spuren, wenn das Tier etwas von mir wollte – und im Gegenzug auf gar keinen Fall Gehorsam zu erwarten. Aber ich liebte Katzen. Und ich liebe Geschöpfe mit einem eigenen Kopf. Der Herr Schmitt war auch so eines. Aber das ist eine andere Geschichte, und Frollein Frieda haut mir schon ungeduldig die Vorderpfote auf den Oberschenkel und guckt mich vorwurfsvoll an. „Schreib zu!“ soll das heißen. Und „Das ist meine Geschichte, nicht die von Herrn Schmitt! Den ich, nebenbei gebellt, nicht einmal gekannt habe.“

Wir hielten Familienrat. Meine Schwiegermutter fand Oreo besser, weil sie lieber Rüden mochte. Meinem Mann war es eigentlich egal. Aber er gab zu bedenken, dass die hessische Hundesteuerverordnung eine unfassbar hohe Steuer für so genannte „Listenhunde“ vorsah. Und dass Oreo ganz sicher auf irgendeiner Liste stehen würde.

Also sollte es Maya werden. Ich setzte mich mit der Tierschutzorganisation in Verbindung. Dann rief mich eine junge Dame an, um in einem ersten Gespräch zu sondieren, ob wir überhaupt hundegeeignet wären. Ich erzählte wahrheitsgemäß, dass meine Erfahrung noch relativ gering sei und ausschließlich aus Gassigehen mit zwei recht eigensinnigen Hunden bestünde. Aber ich hätte mich bereits sehr intensiv mit Herdenschutzhunden auseinandergesetzt – theoretisch. Außerdem wäre ich lernwillig und –fähig. Und hätte mich eben in Maya verliebt. Nach dem Telefonat stand unter Mayas Namen im Internet ein „Reserviert“.

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