Was ich über leinenlose Hunde denke

Auf dem Foto sehen Sie den Herrn Schmitt. Ich habe ihn nicht mehr kennenlernen dürfen, aber die Übersetzerin behauptet immer dann, wenn ich mal etwas Wichtigeres zu tun habe, als auf ihren Ruf hin sofort loszurennen, dass ein Teil des Herrn Schmitt reinkarniert ist und mich in Bosnien gefunden hat. Vom Herrn Schmitt hat sie behauptet, dass eine ihrer Katzen in ihn hineininkarniert wäre. Kann ich nichts zu sagen. Ich glaube an Knochen, Schweineohren und Trockenfutter, nicht an Reinkarnation. Wobei, wenn mal so eine schöne Schweinelende in meinen Fressnapf inkarnieren würde, hätte ich nichts dagegen.

Aber das ist gar nicht das Thema. Thema heute ist der Sinn und Zweck von Hundeleinen. Herr Schmitt durfte nämlich immer ohne Leine gehen. Die Lolo, sein oberes Leinenende, vertritt nämlich den waldorfschen Ansatz der Hundeerziehung. Herr Schmitt konnte zwar nicht seinen Namen tanzen, aber dafür konnte er rennen wie der Teufel. Zum Beispiel hinter Rehen und Hasen her. Oder auf die Straße. Dabei war es ihm wurschtegal, ob Autos kamen oder nicht. Damit hat er meine Übersetzer und die Lolo echt Nerven gekostet, das erzählen sie immer wieder.

Die Übersetzerin und ich sehen auf unseren Spaziergängen auch häufig Hunde, die frei herumlaufen dürfen. Das verstehe ich nicht. Immer, wenn ein Radfahrer, Jogger, Fußgänger oder Kleinkind des Weges kommt oder eine Straße in der Nähe ist, ruft mich die Übersetzerin herbei. Das sind auch die Momente, in denen ich mir denke „Ach, kannste ja mal hingehen.“ Dann nimmt sie mich an die Leine und erklärt mir auch meistens, warum: Damit ich keine Radfahrer oder Jogger anknabbere oder sonstwie erschrecke, und damit ich nicht über den Haufen gefahren werde.

Damit fühle ich mich wohl, weil ich weiß, dass sie die Situation unter Kontrolle hat. Sie fühlt sich wahrscheinlich wohl, weil sie weiß, dass sie mich notfalls festhalten kann.

Gerade vorhin haben wir wieder mitten in der Stadt an einer nicht wenig befahrenen Straße einen freilaufenden Hund gesehen. Da frage ich mich: Wie geht das? Sind die so gut erzogen, dass sie die ganze Zeit bei Fuß gehen? Und wenn ja, warum machen die das? Ich meine, als Hund muss man doch auch mal seine eigenen Sachen erledigen. Und einen eigenen Willen haben.

Aber wenn es nicht so ist: Sind deren Übersetzer vielleicht einfach zu doof und denken sich, dass schon nichts passieren wird? Oder glauben sie an die Vernunftbegabung ihrer Vierbeiner?

Ich habe ja überhaupt keine Vorstellung. Falls hier also Menschen mitlesen, die ihre Hunde überall frei herumlaufen lassen: Schreiben Sie uns doch mal, warum! Ich würde das an die Übersetzerin weitergeben, damit die gegebenenfalls ihr Verhalten ändert und mich ebenfalls überall ohne Leine laufen lässt. Sie dürfen mir aber auch schreiben, wenn Sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht haben. Das würde mich in meiner Annahme bestätigen, dass ich eine ziemlich schlaue Übersetzerin habe. Wuff.

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Ich mit Leine. Da geht’s nämlich ganz schön runter…

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