Frollein Frieda lernt über menschliche Lernfähigkeit

… und das kam so: Wir hatten Besuch. Also nicht ich oder die Übersetzerin, sondern wir alle. Sozusagen gezwungenermaßen.

Besuch Nummer Eins ging gerade auf mich zu, beugte sich über mich und brüllte: „Ist der aber gewachsen!“ Ich legte sicherheitshalber den Rückwärtsgang ein. Da hatten wir es offensichtlich mit einem Zweibeiner zu tun, der von Hunden aber auch so gar keine Ahnung hat. Der_Besuch Die Übersetzerin erklärte zum wiederholten Mal, dass mensch sich einem Hund nicht frontal nähern, ihm nicht in die Augen gucken und ihm schon gar nicht auf dem Kopf herumkrabbeln sollte. Hunde könnten das falsch verstehen, wenn sie diesen Quatsch nicht von vornherein über sich ergehen lassen mussten. Besuch Nummer Eins nickte und schrie: „Ja, stimmt. Letzten Sommer hat er mich gebissen. Ich weiß gar nicht, warum. Ich glaube, der ist ein bisschen komisch.“

Ja, genau! Ich bin komisch. Du, lieber Besuch, bist normal. Ich bewundere in diesen Fällen ja meine Übersetzerin. Wenn ich wüsste, dass ich verstanden werde, würde ich den Leuten ja sehr genau bellen, wie ich solches Verhalten finde. Wenn Besuch Nummer eins wüsste, dass ich sie ebensogut mit einem ordentlichen Satz umwerfen, ihr an die Kehle gehen und sie anhecheln könnte, wäre sie vielleicht etwas vorsichtiger. Aber das mache ich nicht. Erstens ist sie weder Wolf noch Bär, zweitens wäre das den Übersetzern peinlich, und drittens bin ich im Gegensatz zu den meisten Menschen eben lernfähig. Während die nämlich zu blöde sind, auch nur die einfachsten Anweisungen umzusetzen (Gehe nicht auf den Hund zu. Baue dich nicht vor dem Hund auf. Fasse dem Hund nicht auf den Kopf. Lass den Hund einfach in Ruhe. Warte, bis der Hund von allein kommt.) , weiß ich ganz genau, was ich darf und was nicht und passe mich meinen Übersetzern und deren seltsamen Angewohnheiten nach Möglichkeit an.

Wären Sie ein Hund, würden Sie auch diese Situation kennen: Die Übersetzer warnen von vornherein, dass ich ein unsicherer und etwas schreckhafter Hund bin und man mich bitte in Ruhe lassen soll (siehe oben). Und was tun die Menschen? Stürzen auf mich zu und brüllen: „Aber du musst doch keine Angst vor mir haben! So ein großes Hundi!“ Wie gern würde ich zurückbrüllen: „Ich habe aber schon Angst, Sie dämlicher zweibeiniger Blödmann!“

IMG-20161114-WA0007
Leider bin ich für dieses Versteck inzwischen zu groß…

Besuch Nummer zwei hatte aber zugehört. Das war eine sehr nette Dame, die sich gleich in die Hocke begab, ein wenig von mir wegdrehte und sehr angenehm und leise sprach. Da bin ich dann auch hingegangen und habe mich streicheln lassen.

Also, liebe Leserin, lieber Leser: Wenn wir uns mal zufällig treffen sollten, wissen Sie spätestens jetzt, was zu tun bzw. was nicht zu tun ist. Das gilt übrigens auch für alle anderen Hunde, nicht nur für solche wie mich. Sie wollen ja bestimmt einen guten Eindruck hinterlassen, oder?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s